Prädiabetes ist ein Warnbereich: Der Blutzucker ist höher als er sein sollte, aber noch nicht hoch genug für die Diagnose Diabetes. Die gute Nachricht ist, dass bei rechtzeitiger Erkennung das Risiko einer Entwicklung zu Diabetes mellitus Typ 2 durch Gewichtsabnahme, Ernährung, Bewegung und ärztliche Kontrollen deutlich gesenkt werden kann.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprich auffällige Werte mit einem Arzt, damit sie im Zusammenhang mit deinem Alter, Gewicht, deinen Behandlungen, deiner familiären Vorgeschichte und Begleiterkrankungen beurteilt werden.
Welche Werte kennzeichnen Prädiabetes?
Nach den Kriterien aktueller klinischer Leitlinien kann eine der folgenden Situationen auf Prädiabetes hinweisen:
- HbA1c zwischen 5,7% und 6,4%;
- Nüchternblutzucker zwischen 100 und 125 mg/dL (5,6-6,9 mmol/L);
- Blutzucker nach 2 Stunden im Glukosetoleranztest zwischen 140 und 199 mg/dL (7,8-11,0 mmol/L).
Ein einzelnes Ergebnis muss bestätigt und ärztlich eingeordnet werden. HbA1c und Nüchternblutzucker können mitunter unterschiedliche Hinweise geben: Beispielsweise kann der HbA1c durch Anämie, Bluterkrankungen, Schwangerschaft oder bestimmte Behandlungen beeinflusst werden. Deshalb kann der Arzt für eine korrekte Diagnose eine Kombination von Tests empfehlen.
Wer sollte sich testen lassen?
Tests sind besonders wichtig bei Übergewicht oder Adipositas, erhöhtem Bauchumfang, Diabetes in der Familie, Bluthochdruck, erhöhten Triglyzeriden, niedrigem HDL, Fettleber oder früherem Schwangerschaftsdiabetes. Prädiabetes hängt häufig mit Insulinresistenz zusammen; die Anzeichen können unauffällig sein oder ganz fehlen.
Wenn du über 45 Jahre alt bist, lohnt es sich auch ohne klare Beschwerden, regelmäßige Tests mit dem Arzt zu besprechen. Bei jüngeren Menschen mit Risikofaktoren kann eine frühere Untersuchung angezeigt sein.
Sinnvolle Untersuchungen bei Prädiabetes
- HbA1c – zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten etwa 3 Monate. Siehe dazu den Leitfaden zu glykiertem Hämoglobin.
- Nüchternblutzucker – wird nach einer Nahrungspause, meist morgens, bestimmt.
- Glukosetoleranztest – hilfreich bei einem Verdacht, wenn andere Tests kein eindeutiges Ergebnis liefern.
- Lipidprofil, Blutdruck und Bauchumfang – unterstützen die Beurteilung des kardiometabolischen Risikos und eines möglichen metabolischen Syndroms.
- ALT, AST, GGT – können Hinweise für die Abklärung einer metabolischen Fettleber liefern, die häufig mit Insulinresistenz verbunden ist.
Was kannst du bei Prädiabetes tun?
Die am besten belegten Maßnahmen sind dauerhaft und messbar. Eine Verringerung des Ausgangsgewichts um 5-7% und eine Steigerung der körperlichen Aktivität auf mindestens 150 Minuten pro Woche können das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Menschen mit erhöhtem Risiko deutlich senken.
In der Praxis bedeutet das keine extreme Diät, sondern konsequente Schritte:
- regelmäßige Mahlzeiten mit Eiweiß und Ballaststoffen bei jeder Mahlzeit;
- weniger gesüßte Getränke und zuckerreiche Süßigkeiten;
- komplexe Kohlenhydrate wählen: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse;
- zügiges Gehen oder andere moderate Aktivität an den meisten Tagen;
- ausreichend Schlaf und Stressbewältigung, da beide Appetit und Blutzucker beeinflussen.
Ein individueller Ernährungsplan ist hilfreich, wenn du konkrete Beispiele, Portionsgrößen, Einkaufslisten und Anpassungen an deinen tatsächlichen Alltag brauchst.
Wann ist eine ärztliche Beratung notwendig?
Vereinbare eine Untersuchung, wenn dein HbA1c im Prädiabetesbereich liegt, dein Nüchternblutzucker wiederholt über 100 mg/dL liegt oder mehrere Risikofaktoren vorliegen. In einer Online-Sprechstunde für Diabetes kann der Arzt Laborwerte und Vorgeschichte gemeinsam beurteilen und bei Bedarf Kontrollen, Ernährungsmaßnahmen oder eine Behandlung empfehlen.



